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Gesamtdarstellung der Lage: Israel, Iran und die regionalen Konfliktlinien in Bezug auf Syrien

Der jüngste US/israelische Angriff auf den Iran, den die Regierungen in Jerusalem als auch Washington als notwendigen Schritt gegen das Regime in Teheran darstellen, entfaltet weit darüber hinaus Wirkung. Gemäss diverser Analysen, nutzt die israelische Regierung militärische Eskalation zunehmend als innenpolitisches Instrument: Krieg dient als Mittel, nationale Geschlossenheit zu erzwingen und politische Kritik zu marginalisieren. Gleichzeitig wird die humanitäre Dimension – etwa zivile Opfer im Iran, Libanon und in Gaza – in der israelischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen oder bewusst verdrängt.

Parallel dazu verschärfen sich mehrere regionale Konflikte, die durch die israelisch‑iranische Konfrontation zusätzlich destabilisiert werden.

Syrien zwischen Neuordnung und Eskalationsgefahr

Syrien befindet sich nach dem Sturz des Assad‑Regimes Ende 2024 in einer fragilen Übergangsphase. Präsident Ahmed al‑Scharaa versucht, das Land aus dem sich ausweitenden Iran‑Israel‑Konflikt herauszuhalten. Dennoch kommt es im Inneren zu gefährlichen Spannungen:

  • In Aleppo kam es vor kurzem zu schweren Zusammenstößen zwischen der syrischen Übergangsregierung und kurdischen SDF‑Einheiten, die in zwei kurdisch geprägten Vierteln eskalierten.

  • Die Gefechte forderten über zwanzig Todesopfer und drohten, die fragile Sicherheitslage in Ostsyrien zu destabilisieren, wo die SDF weiterhin präsent sind.

  • Die SDF hatte zu Zeiten des Krieges eine Allianz mit den US-Streitkräften bezüglich Bekämpfung der IS.

  • In der kurdischen Region Syriens sind allerdings auch Syriens Erdölvorkommnisse beheimatet, welches das Land dringend braucht.

  • Ausserdem ist da auch noch die alewitische Minderheit an der Mittelmeerküste Syriens, welche ebenfalls unter Assad eng mit dem Iran verbunden waren.

  • Die USA befürchten, dass eine Ausweitung der Kämpfe die Anti‑ISIS‑Strukturen im Osten gefährden könnte - die IS ist marginal immer noch existent (auch im Irak).

Gleichzeitig sucht Syrien außenpolitisch neue Orientierung. Al‑Scharaa hat dem Libanon Unterstützung bei der Entwaffnung der pro‑iranischen Hisbollah zugesichert – ein deutlicher Bruch mit der früheren Assad‑Politik, die eng mit der Miliz kooperierte. Um ein Übergreifen des Iran‑Israel‑Krieges zu verhindern, verstärkt die syrische Armee ihre Präsenz an den Grenzen zum Libanon und zum Irak.

Annäherung zwischen Israel und Syrien?

Vor diesem Hintergrund bemühen sich die USA, einen Dialogmechanismus zwischen Israel und Syrien zu etablieren. Sollte dieser Prozess voranschreiten, könnten die Spannungen, die seit 2025 immer wieder aufflammen, reduziert werden. Israel hat erklärt, die drusische Minderheit im Süden Syriens schützen zu wollen, welche eng verbunden ist mit den israelischen Drusen und kontrolliert seit dem Machtwechsel in Damaskus eine illegal ausgeweitete Pufferzone entlang der Grenze.


Es geht doch um die Frauenrechte und einen Regimechange im Iran

Der Iran erlebt seit Jahren eine tiefgreifende gesellschaftliche Erschütterung, ausgelöst durch die Frauenbewegung und den Widerstand gegen den Kopftuchzwang unter anderem, aber dies dient nur quasi als Vorschub. Die Hoffnung war, dass die Opposition sich im Iran besser durchsetzen würde und man diese dann mit begleiten darf. Natürlich damit man zusammen einen neuen Weg im Iran beschreiten kann und um die verschärfte Feindschaft zu Israel zu mindern. Allerdings hätte man voraussehen können, dass solch ein schneller Machtwechsel schier unmöglich gewesen wäre und ein Land im Kriegszustand eher dazu neigt oder neigen wird, nationale Einheit zu erzwingen, die Opposition vermehrt zu unterdrücken und gerade auch die erreichten Rechte der Frauen wohl eher wieder einzudämmen. Kriege hüben wie drüben eignen sich wunderbar um von inneren Krisen und Protestbewegungen abzulenken und die Bevölkerung hinter der Regierung zu vereinen und eine gewissen Zensur mehr oder weniger einzurichten, was es einfacher macht, die Meinungsbildung zu kontrollieren und zu beeinflussen. Der gewünschte Traum des Regimechanges ist für den Moment wohl eher geplatzt und könnte sich als Nachteil für die gesamte Region entwickeln.

Ein regionales Muster: "Divide et impera"

Imperien wie Rom oder das britische Empire nutzten früher gezielt diese Zersplitterungstaktik, weil kleine, schwache oder zerstrittene Nachbarstaaten oder Feindesstaaten besser zu dominieren sind und leichter beeinflusst werden können.

Die israelische Regierung nutzt zunehmend Eskalation als politisches Werkzeug. Diese Dynamik wirkt in eine Region hinein, die ohnehin von Machtvakuum, Übergangsprozessen und ungelösten Konflikten geprägt ist:

  • Syrien versucht, sich neu zu positionieren und hat interne Konflikte mit den Drusen, Alewiten und Kurden zu lösen.

  • Der Libanon ist durch die Hisbollah tief in die iranische Einflusszone eingebunden und hat eine sehr schwache Armee.

  • Gaza bleibt ein ungelöstes Konfliktfeld und eine humanitäre Katastrophe.

  • Der Iran‑Israel‑Konflikt droht, alle diese Schauplätze miteinander zu verketten.

Damit entsteht ein Geflecht, in dem lokale Konflikte jederzeit zu regionalen Eskalationen werden können – und in dem politische Akteure Krieg nicht nur als Risiko, sondern auch als Mittel der Machtsicherung begreifen.

Das Konzept „Groß‑Israel“: Herkunft und aktuelle Bedeutung

Unter „Groß‑Israel“ wird eine ideologische Vision verstanden, die eine territoriale Ausdehnung Israels über die heutigen Grenzen hinaus vorsieht. Historisch beruft sich diese Idee auf biblische Bezüge und nationalistische Ideologien (Oded‑Yinon‑Plan), die eine Ausweitung israelischer Souveränität auf Gebiete zwischen Mittelmeer und Jordan, teilweise darüber hinaus, fordern.

Aktuelle Äußerungen von US‑ und israelischen Regierungsvertretern, als auch die vielen Bilder von IDF Soldaten mit Gross-Israel-Karten als Uniformpatches, haben das Thema wieder ins Zentrum der regionalen Debatte gerückt. Auslöser war auch ein Interview des US‑Botschafters in Israel, Mike Huckabee, in dem er Sympathie für die Idee eines erweiterten israelischen Staatsgebiets erkennen ließ. Diese Aussagen und Handlungen lösten in der Region erhebliche Besorgnis aus.


Kurden im Irak: Autonomie, Machtbalance und stille Partnerschaften

Die Autonome Region Kurdistan im Irak pflegt seit den 1990er‑Jahren eine enge, aber informelle Beziehung zu Israel. Beide Seiten unterhalten keine offiziellen diplomatischen Vertretungen, aber die Zusammenarbeit ist historisch gewachsen und politisch motiviert. Israel unterstützt seit Jahrzehnten das kurdische Streben nach Selbstbestimmung, was die kurdische Führung als strategische Chance sieht.

Wichtige Faktoren:

  • Die Kurden betrachten Israel nicht als Feind, im Gegensatz zu vielen arabischen Staaten.

  • Israel war eines der wenigen Länder, das 2017 offen ein unabhängiges Kurdistan befürwortete.

  • Die kurdische Regionalregierung sieht Israel als potenziellen Partner gegen gemeinsame Bedrohungen wie ISIS oder iranischen Einfluss.

Diese Beziehung ist für die Kurden auch wirtschaftlich relevant: Israel war zeitweise ein bedeutender Abnehmer kurdischen Öls. Die marginale jüdische aber auch christliche Präsenz in Kurdistan ist tausende Jahre alt und man lebt dort meist immer noch in friedlicher Koexistenz. Nach dem zweiten Weltkrieg sind etwa 300'000 kurdische Juden nach Israel ausgewandert. Diese Gemeinschaft pflegt jedoch aktiv kulturelle und politische Beziehungen mit der jetzigen Autonomiebehörde.


Kurden in Syrien: SDF, Autonomiebestrebungen und geopolitische Zwänge

Die kurdische Lage im Irak und in Syrien lässt sich gut verstehen, wenn man drei Ebenen zusammen betrachtet: die politische Realität der Kurden, ihre historischen und aktuellen Beziehungen zu Israel, und die Rolle jüdischer Gemeinschaften im irakischen Kurdistan. Es zeigt sich ein konsistentes Bild. In Syrien sind die Kurden vor allem über die SDF (Syrian Democratic Forces) organisiert. Sie kontrollieren große Teile Nordostsyriens und waren der wichtigste Bodenkampfpartner der USA/(EU) gegen die IS.

Die Lage in Syrien ist jedoch fragil, da die Übergangsregierung versucht, die SDF in staatliche Strukturen zu integrieren und die gewünschte Autonomiebestrebung eindämmen möchte, dies wohl auch, weil die Türkei als Partner von Syrien, es so begrüssen würde. Korrektur: Meldung 9.3.2026: "Sipan Hamo, Kommandeur der linksgerichteten YPG-Einheiten, wurde zum stellvertretenden Verteidigungsminister Syriens ernannt. Damit erfüllt die Regierung ein Integrationsabkommen mit den Kurden, das ihnen politische Mitbestimmung zusichert.

Ebenfalls kann Mazlum Abdi, Kommandeur der SDF, Kandidaten für Parlament und Regierung vorschlagen und wird selbst Gouverneur der kurdischen Provinz Hasaka, die in Zukunft einen besonderen dezentralisierten Status erhält. Kurdische Feiertage wurden offiziell anerkannt und 300.000 Kurden erhalten die Staatsbürgerschaft.

Dies eine bedeutende politische Integration der Kurden in der syrischen Geschichte. Kurden kehren auch nach Afrin zurück, welches 2018 von der Türkei besetzt wurde. Ash-Sharaa und sein pragmatischer Kurs stärkt die territoriale Integrität Syriens und setzt auf Integration statt Gewalt."


US‑Stützpunkte im Nahen Osten: Verteilung und strategische Logik

Die USA unterhalten laut aktuellen Berichten 40.000–50.000 Soldaten in mindestens 19 Militärstandorten von Ägypten bis Oman. Diese Stützpunkte sind teils permanent, teils „enduring“ oder „contingency“‑Outposts, die je nach Lage verstärkt oder reduziert werden können.

Wichtige permanente Standorte:

  • Bahrain – Sitz der 5. US‑Flotte, Kontrolle über den Schiffsverkehr im Persischen Golf.

  • Katar – Al‑Udeid Air Base, größter US‑Luftwaffenstützpunkt der Region.

  • Kuwait – Logistikdrehscheibe für Operationen im Irak und am Golf.

  • Saudi-Arabien & VAE – Luftwaffen- und Raketenabwehrstützpunkte.

  • Jordanien & Irak – Landgestützte Operationen, Überwachung iranischer Aktivitäten.

  • Syrien: Al Tanf wurde vor ein paar Monaten geräumt und nach Jordanien umgesiedelt.

Diese Basen liegen auffällig oft in der Nähe von kritischen Energieinfrastrukturen, Seewegen oder Pipelinekorridoren.

Ein zusammenhängendes Bild: Expansion, Sicherheit und politische Legitimation

Setzt man alle Elemente zusammen – Israels Angriffe auf den Iran, die (ehemaligen) Kämpfe in Syrien, die fragile Lage in Gaza, die Spannungen im Libanon und die US‑israelische Kooperation –, entsteht ein regionales Muster:

  • Israel verfolgt eine zunehmend expansive Sicherheitsdoktrin.

  • Die US‑Regierung unterstützt diese Linie.

  • Das jetzige Regierungkonzept Israels dient als ideologischen Rahmen, welcher territorialen Anspruch, nationale Identität und sicherheitspolitische Argumente verbindet.

  • Die Nachbarstaaten reagieren mit Sorge, da sie eine Verschiebung der regionalen Grenzen und Machtverhältnisse befürchten, speziell hier:

  • Syrien: Die US‑Vermittlung zwischen Israel und der syrischen Übergangsregierung zielt auf Stabilisierung, könnte aber auch Israels Einfluss im Süden Syriens festigen.

  • Libanon: Die US‑Position gegenüber der Hisbollah stärkt Israels Handlungsspielräume. Die Hisbollah allerdings ist wiederum auch ein "Feind" der neuen syrischen Regierung.

  • Gaza: Washington drängt auf einen neuen Governance‑Rahmen, der Israels Sicherheitsinteressen priorisiert.

  • Iran: Die militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA wird als Bollwerk gegen Teheran dargestellt. Eine Schwächung des Irans hat zum Ziel die Houthis im Jemen, die Hisbollah im Libanon zu entkräften und natürlich allgemein den Iran in seine Schranken zu weisen.

In diesem Kontext erscheint die Debatte um die Ausdehnung Israels nicht als isolierte ideologische Randerscheinung, sondern als Teil eines größeren geopolitischen Rahmens, in dem militärische Stärke, territoriale Kontrolle und politische Symbolik eng miteinander verwoben sind. Das Schlimme ist einfach, dass diese Taktiken Menschenleben kosten und weitere Flüchtlingsströme hervorrufen werden. Und eine ganze Region und vielleicht sogar der Rest der Welt in eine noch grössere wirtschaftliche Krise schlittert.


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